Der Trauerweg hat eine klare Botschaft: Am Ende steht das Leben

LebenshausRenningen: Auf dem Friedhof hat die Stadt einen Trauerweg installiert. Mit mehreren symbolischen Stationen gibt er nach dem Tod eines geliebten Menschen Hilfestellung und bietet eine Neuorientierung, um mit neuem Mut zum Leben zurückzufinden.

 

 „Der Trauerweg soll dazu beitrage, den Tod vom Rand der Gesellschaft in die Mitte des Lebens zu holen“, heißt es auf einer Tafel am Eingang des Weges. Auf dem Friedhof bei der Aussegnungshalle gelegen, ist er ein Ort des Gedenkens, des Meditierens und der Auseinandersetzung mit der Trauer, für Betroffene gleichermaßen, wie für Nichtbetroffene, die sich mit dem Thema Sterben, Tod und dem Danach beschäftigen. Die Idee einen Trauerweg in Renningen zu installieren, kam von der Projektgruppe Friedhof, die gleichwohl auch die Planung, Gestaltung und Ausführung übernahm.

Klagemauer „Zusammenbruch und plötzlich ist alles anderes.“ Das Lebenshaus ist zusammengebrochen, alles ist dunkel und zerstört. So steht auch am Anfang des Weges symbolisch ein kleines mit Backsteinen gemauertes Haus. Die Tür steht offen, das Haus ist kaputt, die Grundmauern sind eingerissen. Ein hoher grauer Bretterzaun versperrt die Sicht nach vorne, in einer Ecke liegt ein Scherbenhaufen aus Dachziegeln. Der Weg scheint blockiert. „Unendlich und überwältigend sind Schmerz und Verzweiflung. Ich fühle mich gelähmt und verloren, nicht zu dieser Welt gehörig. Gefangen in meinem Körper weiß ich nicht, ob ich noch sein kann“, steht auf der weißen Tafel neben dem Haus.
  Installationen
Die dunkle Holzwand hat Durchbrüche und lässt den Blick zurück zu. Fasst man Mut und macht sich auf den mit dicken Steinen übersäten Weg, dann erkennt man, dass der weiter geht, gewunden hinaus ins Freie führt. Auf fast unzähligen Wegweisern an drei Holzpfählen, die alle in unterschiedliche Richtungen weisen, stehen Worte, wie Angst, Hoffnung, Leere, Panik, haltlos, Schmerz, Glaube und wieder Hoffnung - Symbole für die Verwirrung der eigenen Gefühls- und Gedankenwelt.
 Zurück ins Leben kommen
Der Weg führt hindurch, führt weiter zur „Klagemauer“. „Wut“ steht dort und „Mut“. „Kann ich meine Wut loswerden?“ Der eigenen Wut und Klage kann man dort auf bereitliegenden Zetteln Ausdruck verleihen und all den Schmerz mit Hammerschlägen auf einem Baumstumpf förmlich herausschlagen.
 
Durch Installationen und Räume, die teils abgeschirmt, teils offen zum Meditieren und Nachdenken einladen, gelangt man schließlich an ein Tor. „Das Leben muss weitergehen, langsam schöpfe ich Hoffnung.“ Beim Blick durch das Tor sieht man Farben. Blumen und Stauden und ein Bild mit blauem Himmel und einer bunten Sonne. Zu sehen ist darauf die Auferstehung Christi - das Symbol für das ewige Leben. Der Tod hat nicht das letzte Wort. „Allmählich sieht und spürt man wieder Licht und Wärme. Man bemerkt wieder schöne lebendige Eindrücke, wie das kleine Blümlein am Wegesrand auf dem langen Weg der Trauer.“

Am Renninger Trauerweg finden regelmäßig Führungen statt. Näheres erfahren Sie bei Sandra Feigl, Stadt Renningen, Tel.: 07159 1606 – 14.